Rothaus Riderman - Bad Dürrheim September 2019

 

1. ETAPPE

Bei der 1. Etappe am Freitag über 16 Kilometer ging es allein gegen die Uhr. Mit 220 Höhenmeter fiel es schon unter die Kategorie Bergzeitfahren. Lediglich mit einem Aufsatz am Lenker ging ich mit meinen normalen Rad an den Start. Tatsächlich war ich gefühlt einer der ganz wenigen, der kein Zeitfahrrad hatte. Scheibenräder und Zeitfahrhelme waren schon fast der Durschnitt. Was im Feld aufgrund des Windschattens nur begrenzt von Bedeutung ist, hat im Zeitfahren einen deutlich höheren Stellenwert. Trotz vollen Einsatzes und einer gefühlt guten 1. Etappe, reichte es daher nur zu Platz 489 von 638 Teilnehmern.

2. Etappe 

Als ich am Samstag voller Vorfreude zur 2. Etappe kam, musste ich mit Entsetzen feststellen, dass ich nur für den Startblock D von A-D eingeteilt worden bin. Die Startblöcke wurden nicht anhand von den vorherigen Ergebnissen im German Cycling Cup, sondern einzig und allein vom Ergebnis im Zeitfahren eingeteilt. Wer also keine spezielle Zeitfahrausstattung besitzt, ist also auch im 2. Rennen extrem benachteiligt. Und trotz einer ansonsten gut organisierten Etappenfahrt, traf das auf extremes Unverständnis bei mir. Also ging es in einem neutralisierten Start etwa von Position 500 ins Rennen. An einem leichten schmalen Anstieg klafften extreme Lücken noch innerhalb der Neutralisationsphase. Überholen war unmöglich und ich war einfach nur total genervt. Als die Straße breiter wurde, versuchte ich so schnell wie möglich Positionen gut zu machen. Über die ersten größeren Berge kam ich erstaunlich gut ganz vorn in meinen Gruppen, welche natürlich auseinanderfielen. Man hat in solchen Situationen 3 Optionen. Entweder nimmt man das Tempo raus, damit man weiter mit Teilen der Gruppe koordinieren kann. Man fährt sein Tempo weiter alleine gegen den Wind. Oder man versucht mit vollem Einsatz alleine an eine vordere Gruppe ranzufahren, was sich sehr schwer gestaltet. Dennoch entschied ich mich für diese Variante und wurde belohnt. Nachdem ich beim zweiten mal selbiges probierte, ging die Sache eher nach hinten los. Zwischen Kilometer 40 und 60 hatte ich gefühlt einen Einbruch und wurde von einigen Fahrern überholt. Man neigt dazu, das Rennen zu schnell anzugehen, wenn man von Anfang an so viele Positionen gut machen muss. Im Laufe des Rennens fing ich mich wieder. Mehrmals waren Anstiege mit 18 % dabei und das teilweise mehr als 200 Meter am Stück. Am Ende sollten 1978 Höhenmeter auf 121 km zusammenkommen. Ich habe bereits viel erlebt, aber so erschöpft, wie nach diesem Rennen, habe ich mich bisher noch nie gefühlt. In einer Gruppe von ca. 25-30 Fahrern ging es auf die Zielgerade zu. Bei ca. 600 Meter vor dem Ziel ging ich aus dem Windschatten raus und zog verhältnismäßig früh meinen Sprint an, den ich für mich gewinnen konnte. Dennoch wusste ich, dass das Ergebnis schlecht ausgefallen sollte. Es war letztendlich Platz 390 von 606 Startern.

3. Etappe

Die Stimmung vor der dritten Etappe war am absoluten Tiefpunkt. Nachdem mir am Abend zuvor bewusst geworden war, dass das monatelange Knacken an meinem Rad ein Tretlagerschaden ist, wollte ich am Morgen noch ein bisschen am Rad schrauben, um somit die Übertragung zumindest etwas verbessern zu können. Leider stellte ich fest, dass ich ein entscheidentes Werkzeug nicht mit dabei hatte. Und in der Starterliste sah ich dann auch noch, dass ich wieder aus Block D starten sollte, da nach wie vor allein das Ergebnis der ersten Etappe darüber entschied. Glücklichwerweise schaffte ich es mich ganz hinten in den Block B (s. Bild links) zu schummeln. Die Neutralisationsphase verlief im selben Streckenverlauf, wie am Vortag. Enge Steigungen auch im weiteren Verlauf mit ständigen Abbremsen und wieder Beschleunigen in der Gruppe am Berg empfand ich als sehr unangenehm. Bei beiden Etappen der Tour hatte man meist mit sehr schmalen Anstiegen zu kämpfen, wodurch man aufgrund der Fahrerdichte meist nicht "mit Schwung und Kraft in den Berg hineinfahren" konnte. Auch bergab gestaltete es sich oft schwierig. Auf beiden Etappen waren Abfahrten vorhanden, wo es möglich gewesen wäre wieder Geschwindigkeiten von über 100 km/h zu erzielen. Das Vetrauen in meine Fähigkeiten und in mein Rad sind zu 100 % da, aber die fehlende Kontrolle anderer Fahrer über ihr Rad verängstigten mich und ich war gezwungen vorsichtiger zu agieren. 8 Kilometer vor dem Ziel stand nochmal ein unfassbar steiler Anstieg . So etwas kannte ich bisher nur aus dem Fernsehen, dass die Zuschauer direkt vor einem auf der Straße standen, einen den Berg "hoch brüllten" und erst im letzten Moment zur Seite gingen. Die Stimmung, die Begeisterung der Zuschauer und die vielen Kinder am Straßenrand, die mitfieberten waren einfach nur unbeschreiblich toll. 3 Kilometer vor dem Ziel suchte ich die Vorentscheidung in meiner Gruppe, als ich kurz vor der Abfahrt angriff und in meine Abfahrtsposition auf den Rahmen des Rades ging.  Es gelang mir nicht ganz, aber aus einer guten Ausgangsposition konnte ich wieder den Zielsprint für mich entscheiden. Endresultat: 403. von knapp 800 Fahrern.

Endergebnis nach 3 Etappen

Am Ende kamen 236 Kilometer und 3.541 Höhenmeter zusammen. Mit Platz 359 von ca. 600 Fahrern, die alle 3 Etappen absolviert haben, bin ich am Ende etwas unter meinen eigenen Erwartungen geblieben. Neben technischen Problemen am Rad, dem fehlenden Zeitfahrrad und der der damit schlechteren Ausgangsposition auf der 2. und 3. Etappe, muss man kurz vor Ende der Saison eingestehen, dass der Trainingsstand im Vorfeld vor der Tour deutlich zu schlecht war. Es fühlte sich über weite Strecken deutlich härter an, als mein erster Halbmarathon, den ich letztes Jahr  komplett aus der Kalten gelaufen war. Ich glaube das beschreibt für den Außenstehenden gut genug, wie anspruchsvoll diese 3 Tage waren. Am 3. Oktober geht es nun noch zum Münster Giro und am 20. Oktober zum letzten Rennen der Saison auf Rügen.